Geschichte

Herkunft und Ursprung der Weihergeister zu Weißensberg

Die Heimat der Weihergeister sind die Weiher auf der Gemarkung Weißensberg, von denen es früher sechs gab und heute nur noch zwei gibt. Um die Armen, Behinderten, Witwen, Waisen und die eigenen Bediensteten täglich versorgen zu können ist für das Heilig-Geist-Spital zu Lindau eine intensive Fisch- und Teichwirtschaft von sehr großer Bedeutung. Einer Erzählung zur Folge soll es beim Abliefern der abgefischten Fische im Jahre 1765 an das Heilig-Geist-Spital zu Lindau (1) zu Unregelmäßigkeiten gekommen sein: nämlich 256 Fische weniger als im Besatz vorgesehen.

Weihermeister und Gugger von Loch werden vom Verwalter des Spitals der groben Pflichtverletzung verdächtigt. Er beraumt eine Untersuchung dieses Vorfalls an, denn karge Mahlzeiten für die ganze Spitalfamilie sind zu erwarten. Geschickt weist der Weihermeister alle Anschuldigungen von sich und bezichtigt seinerseits den Gugger aufgrund seiner angeblichen Beobachtungen des Fischraubes.

Trotz aller Beteuerungen seiner Unschuld -er ist der Redegewandtheit des Weihermeisters nicht gewachsen- verstrickt sich der Gugger in Widersprüche und seine Verurteilung scheint sicher. Kurz vor dem Urteilspruch erscheint eine sonderbare Gestalt und mit ihr nach und nach weitere, die sich auf Befragen des Verwalters hin, allesamt als die Hüter der Weiher zu Weißensberg zu erkennen geben.

Sie führen nun Ihrerseits bittere Klage über die üblen Freveltaten des Weihermeisters, der unter der erdrückenden Beweislast nicht nur diese Freveltat gestehen muß. Der Verwalter des Heilig-Geist-Spitals nimmt dem Weihermeister die Schlüssel zum Stempfel ab, enthebt ihn seines Amtes sowie all seiner Rechte und jagt ihn mit Schimpf und Schande davon. Der Gugger von Loch wird, auf Drängen der Hüter der Weiher zu Weißensberg, zum neuen Weihermeister ernannt.

Zum Dank und zum Gedenken an seine wundersame Rettung verspricht er jeweils am Jahrestag den Hütern der Weiher zu Weißensberg deren Lieblingsmahl zu bereiten und darüberhinaus auch die Bedürftigen nicht zu vergessen.

 

BEMERKUNGEN

dieses im Zustiftungsverzeichnis des Spital -renov. 1600 3,8- aufgeführte Mahl, wird auch heute noch zum Abschluss des Häsabstaubens bereitet und gemeinsam mit älteren Bürgern aus den 11 Ortsteilen unserer Gemeinde verzehrt. Diese Geschichte wird jeweils vor dem Häsabstauben als Tanzspiel aufgeführt. Der Ortsteil LOCH wird anno 1430 als "hus im loch" erstmals urkundlich erwähnt. Erst im Jahre 1929 erhält LOCH per Gemeinderatsbeschluss mit 12:0 Stimmen seinen heutigen Namen ROTHKREUZ.

 


(1) nach dem Kauf des gesamten Besitzes von Vogt Eberhard zu Sumerau, genannt Rudolfsried am 12. Dezember 1383 bis zur Säkularisation ist das Heilig Geist Spital zu Lindau Eigentümerin, Niedergerichts- und Patronatsherr von Weißensberg.