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Pfarrer Anton muss seinen Amtseid erneuern – Weihergeister stellen Narrenbaum vors Pfarrhaus

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"Gelobet Ihr, stets vorbildlich zu leben?"

Amtseid2020

„Hoorig, hoorig, hoorig isch die Katz“ – mit Narrensprüchen wie diesen läuteten die Weihergeister der Narrenzunft am Gumpigen Donnerstag das Fasnachtsfinale in Weißensberg ein. Große und kleine Hemdglonker, verkleidet mit weißem Nachthemd und Schlafhaube auf dem Kopf, Weihergeister, Mäschkerle und anderes närrische Volk machten sich nach Einbruch der Dunkelheit mit Laternen und Fackeln auf, um die Bürger im Dorf zu „wecken“ und allen klarzumachen, wer von jetzt an das Sagen hat.

Mit Kochlöffeln auf Topfdeckeln kläppernd und begleitet von der Weißensberger Schalmeiengruppe zogen sie lärmend durch die Straßen. Gestartet war der Umzug auch diesmal wieder an der Festhalle – von dort ging es hinauf zum Schulhaus, hinunter zum Kindergarten und um die Kirche herum direkt zum Ziel, dem Pfarrhaus.

Dort wartete bereits Pfarrer Anton Latawiec, um gegenüber seinem Dienstherrn Klaus Höhne, Amann des Lindauer Heilig-Geist-Spitals, den Amtseid abzuleisten und als „Pfarrherr“ für ein weiteres Jahr eingesetzt zu werden. Historischer Hintergrund ist, dass das Dorf Weißensberg über Jahrhunderte hinweg zum Spital gehörte und sich sämtliche Bedienstete den „Hospital Lindauischen Ordnungen und Instructiones“, anno 1672 verfügt, unterordnen mussten. Somit wurde auch Pfarrer Anton von seinem Dienstherrn an eine Reihe von „Hospitalischen Eidespflichten“ erinnert, die es zu erfüllen gilt.

„Gelobet Ihr, stets vorbildlich zu leben, keine Waffen zu tragen und keine Kirchengeräte zu verpfänden?“ So lautete eine von vielen Fragen, die der Pfarrer gegenüber dem Amann und allen anderen Anwesenden, darunter auch der als Hemdglonker verkleidete Bürgermeister Hans Kern, gehorsam mit „Ja“ beantwortete. Auch musste er versprechen, „die Schulpredigten weiterhin ohne körperlichen Nachdruck und den Kindern wohlgesonnen abzuhalten“.

Den wohl größten Wunsch aller Weißensberger richtete gleich zu Beginn der kleine Wanja, Sohn von Zunftmeisterin Yvonne Grübel, an Amann und Spitalsmeister Höhne: „Lasst uns unseren Pfarrer, der zu Seele, Lieb und Leid immer für uns da ist! Wir sind sehr zufrieden mit Pfarrer Anton und möchten ihn gerne behalten.“ Denn der Wechsel in der Pfarrstelle waren in den vergangenen Jahren viele, heißt es unter den Dorfbewohnern.

Nach Ableisten des Eides durfte Pfarrer Anton schließlich den Kirchenschlüssel für St. Markus vom Amann entgegennehmen. Dazu gab es noch einen Krug Wein von Zunftmeisterin Yvonne Grübel, einen frischen Fisch von Weihermeister Daniel Kobel, Eier vom „Gugger von Loch“ Karlheinz Grübel sowie Oerlin (ein Schmalzgebäck) von Spitalschreiber Andreas Lindenmüller. Danach wurde dem Pfarrer traditionsgemäß das Narrenkleid übergestülpt.

Nachdem schließlich auch noch der Narrenbaum vor dem Pfarrhaus gesetzt war, zog das närrische Volk gemeinsam hinauf zur Festhalle, wo mit „wohl gelaunten Troubadouren, allerlei Gesöff und Speisen“ noch kräftig gefeiert wurde.

LZ: Uli Stock